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Wilhelm Battermann, Experte für das Regelwerk der Berufs­genossen­schaft für Fahrzeug­haltungen (BGF), Bezirks­verwaltung Hannover, beleuchtet an welcher Stelle das Regelwerk für die Cusa-Einführung entscheidend war, weshalb Cusa dadurch präziser und flexibler wurde und wie Cusa den BGF-Mit­arbeitern als Partner zur Seite stand.

Die Cusa-Einführung bei der BGF war ein großes IT-Projekt. Wie lässt sich Ihre Aufgabe beschreiben?

Ich habe das Projekt von der fachlichen Seite aus hinsichtlich der Unfall­versicherung begleitet. Unter meiner Mit­wirkung wurde das diagnose­basierte Regel­werk aufgebaut und entsprechend modifiziert.

Was genau ist das Regelwerk und in welcher Beziehung steht es zu Cusa?

Cusa hat den Vorteil, dass man über bestimmte Regel­werke Funktionen oder Abläufe steuern kann, beispiels­weise die Bewertung eines Unfalles als C-Fall, also als Cusa-Fall bzw. Leichtfall, oder als Akten­fall, der einer ganz besonderen Bear­beitung bedarf. Die diagnose­basierte Unter­scheidung ist abhängig von Art und Schwere der Ver­letzung. Danach entscheidet sich, ob der Fall gleich der speziellen Sach­bearbeitung zugeführt wird oder ob er auf Grund der Leichte der Verletzung in der Bagatell­sach­be­arbeitung verbleibt. Das objektbasierte Regelwerk ist abhängig von einigen Parametern, zum Beispiel von der Art der ver­sicherten Person oder von anderen Voraus­setzungen wie Brillen- oder Zahn­schaden. Man kann auch festlegen, dass unabhängig von der Diagnose, sondern infolge der Höhe des aufgewandten Ent­schädi­gungs­bereiches, ein Fall automatisch in einen Aktenfall umgewandelt wird und damit direkt in die Sach­bearbeitung geht.

Über die vielen Monate der Projektarbeit haben Sie mit Gabriele Barth von der HDP GmbH zusammengearbeitet. Wie kann man sich die gemeinsame Projektarbeit vorstellen?

Im Rahmen eines kleinen Kernes von Projekt­mitarbeitern haben wir alles soweit voran gebracht, dass wir die Dinge in den einzelnen Bezirks­ver­waltungen auch verwenden konnten. Frau Barth war dabei federführend bei uns. Wir haben viel gelernt was Cusa an sich betraf – und HDP hat viel gelernt was die BGF anging. So konnten wir uns gegenseitig studieren. Auf dieser Basis haben wir Cusa derart weiter­entwickelt, dass es für die BGF passte. Jede Berufs­genossen­schaft hat ihre unterschiedlichen Unfall­schwerpunkte. Wir haben leider als BGF den Nachteil, dass wir sehr schwere Unfälle mit multiplen Verletzungen haben. Diese umfassen nicht nur den Bruch eines Zehs, sondern auch mal den des ganzen Fußes. Deswegen haben wir dieses System angepasst; zum Beispiel mussten die Unternehmer-Pflicht­versicherung und unser automatisches Regress-Kosten­aufstellungs­programm enthalten sein.

Nachdem Ihr Alt-System zwei Jahrzehnte im Einsatz war, wagte die BGF den Schritt in eine neue Zukunft. Wie haben Sie den Projektablauf empfunden?

Die Projektarbeit mit Frau Barth war sehr gut. Sie hat uns in erster Linie geholfen und das Verständnis darüber bei uns geweckt wie Cusa läuft. Das Cusa-Projekt bestand darüber hinaus aus Menschen, die Idefix mitentwickelt haben. Es war wichtig, darauf zu achten, die Sachgebiete der Projektmitarbeiter weitestgehend zu streuen. So waren alle Abteilungen, z.B. die Abteilung Berufskrankheit oder die Abteilung Unfall, oder auch ganz andere Bezirksverwaltungen, daran beteiligt. Wir kannten uns bereits und waren uns der Aufgabe im Klaren. Wir wollten keine Bezirksverwaltungen vertreten – wir wollten Cusa so anpassen, dass wir bestmöglich starten können. Heute sind wir mir Cusa sehr zufrieden und in ein, zwei Monaten werden immer mehr Leute sagen: „Gut, dass wir Cusa haben."

Wie schneidet Cusa in einem Vergleich beider Systeme ab?

Unter dem alten Idefix-System war es überhaupt nicht möglich bestimmte Regel­werke anzustoßen, die unabhängig vom Fall oder ohne Zutun der Mitarbeiter etwas veranlassten. Wir hatten nur eine monetäre Schranke. Es handelte sich ab 10.000 Euro automatisch um einen A-Fall. Cusa arbeitet sehr viel genauer und flexibler.

Ebenso ist die Darstellung der Kern­daten bei Cusa komfortabler. Mit dem Leitfaden in Cusa kann ein ungeübter Sach­bearbeiter sich leichter in die medi­zinische Materie einarbeiten. Durch diese erweiterte Funktion, die Cusa bietet, hat der Benutzer eine Handlungs­richt­linie ohne seinen Vor­gesetzten fragen zu müssen. Er hat im Programm einen Partner, der ihm zur Seite steht. Kürzlich war eine Kollegin bei mir und bearbeitete einen Fall, den wir nur in Cusa lösen können. In Idefix gab es diese Möglichkeiten noch nicht.

Neue Software-Systeme ziehen meist große Umstellungen bei der täglichen Arbeit nach sich. Haben sich die Arbeitsabläufe bei Ihnen verändert?

In den Abläufen selbst hat sich im Wesentlichen nichts getan. Das habe ich schon zu Anfang gesagt, Cusa können wir im Bagatell­bereich immer einsetzen, denn die Abläufe waren vom System so, dass wir keinen großen organisatorischen Aufwand betreiben mussten. Die Einarbeitungs­zeit, besonderes für externe Mitarbeiter, ist auf Grund der Listenfunktion gering. Man lässt sich Dinge, die man sich nicht leicht merken kann, auf einen Blick mit der F4-Taste, die für die Funktion „Liste“ steht, anzeigen.

Bei den C-Fällen funktioniert Cusa besonders gut. Mit Cusa 2 können Aktenfälle durch die Weller-Diagnose bzw. Heil­verfahrens-Steuerung schneller bearbeitet werden. Damit ist Cusa wesentlich anwender­freundlicher gestaltet worden als Idefix – damals hatte man sich gewehrt, diese Heil­verfahrens-Steuerung überhaupt einzusetzen.

Mein Fazit für die Umstellung, die man erfährt, ist, dass vor allen Dingen die Ein­arbeitung gering ist. Die Beteiligten müssen sich natürlich an eine andere Oberfläche gewöhnen, die allerdings optisch auch ansprechender ist. Im Rahmen der Kontrakt­partner kann Cusa außerdem immer weiter entwickelt werden, sodass einer vom anderen lernen kann.

Hat die Cusa-Einführung in Ihrem Haus organisatorische Umstellungen ausgelöst?

Cusa konnten wir ohne große organisatorische Änderungen einsetzen. Die Sach­bearbeiter nutzen wie bisher die Tages­boxen im Bagatellbereich oder die Aktendeckel im Schwer­fall­bereich. Was die Organi­sation betrifft, mussten wir nichts weiter veranlassen, als das System einzuführen und Hilfestellungen bei den Anwendern zu geben. Der Aufwand orga­nisa­torischer Um­stellungen war sozusagen gleich Null.

Nun ist Cusa seit über 100 Tagen erfolgreich im Einsatz. War die Einführung eine Heraus­forderung für Sie und wie bewährt sich Cusa?

Die Cusa-Einführung war eine Heraus­forderung, die Spaß gemacht hat. Wir haben uns die Problemlösungen zusammen erarbeitet. Im Team konnte man die Gedanken im Rahmen eines Brain­stormings jederzeit einbringen. Nur die Dinge, die man für sinnvoll und nützlich hielt, haben wir weiter verfolgt.

In Hannover hat alles weitest­gehend reibungs­los geklappt. Sämtliche Ver­zögerungen ergaben sich vielmehr durch Krankheit und Urlaub, bzw. dass wir im Dezember wenig Personal hatten. Die Ein­arbeitungs­zeit war durch den Laborbetrieb im Juli 2008 und durch die Schulungs­phasen, die alle Anwender durch­laufen hatten, recht leicht. Cusa ist von einem Außen­stehenden einfacher zu erlernen gewesen als Idefix, da man durch das Programm geführt wird.

Die ersten 100 Tage haben sich also positiv bei Ihnen gestaltet. Wie sehen Sie die Fähig­keit sich von Cusa auf zukünftige Ver­änderungen ein­zustellen?

Kein System ist perfekt. Aber so wie wir es jetzt im Einsatz haben, kann man jederzeit an einer Schraube drehen. Da gibt es das ein oder andere, das man noch verändern kann, einige wenige Dinge, die wir im Schulungs- oder Labor­betrieb nicht finden konnten, sondern die erst im Echt­betrieb auffielen.

Wir haben Termine neu aufge­nommen. Alle Änderungen, die nach Produktions­beginn statt gefunden haben, konnten wir direkt um­setzen. Besonders durch die Regel­werke ist Cusa sehr flexibel.

Cusa hat Sie unüberhörbar überzeugt. Haben Sie noch Wünsche, die Sie in Cusa verwirklichen möchten?

Wir sind erst einmal wunschlos glücklich. Die Ver­ar­beitung im Bereich Dale haben wir bereits für die nahe Zukunft geplant. Diese soll direkt elektronisch sein und nicht über Aus­drucke weiter­verarbeitet werden. Bei Cusa 2 warten wir ab, was noch bereit gehalten wird. Eine andere BG hat Cusa mit einge­scannten Belegen im Einsatz, sodass mit der elektronischen Akte, zumindest im Bagatell­bereich, gearbeitet wird. Zusammen­fassend sind wir bis zum heutigen Tag sehr zufrieden mit Cusa. Unser Alt-System Idefix war bereits gut angepasst, aber Cusa ist ein echter Zugewinn für uns.

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